05
Sep
Wegweiser durch die Welt der Kommunikation und der Medien
von Sophie Rémeur
Die Welt wird immer komplexer. Wer kann schon behaupten, sich in „der“ Welt zurechtzufinden? Am besten versteckt man sich hinter der eigenen Welt und stellt diese als Mittelpunkt dar. Oder man wandert zwischen den künstlich gestylten Welten der Medien. Selbstdarstellung ohne Erkenntnis? Wandern ohne Orientierung? Das ist für viele durchaus legitim, aber vielleicht doch zu wenig für studierte Akademiker.
Es grenzt an ein Wunder, dass ausgerechnet das Medienzeitalter ein Werk hervorbringt, das einen fundiert-kritischen Blick auf die Medien sowie eine Einsicht in die Abgründe humaner Kommunikation liefert und uns nebenbei noch wie selbstverständlich über die Grundlagen der Wirklichkeitskonstruktion aufklärt. Kurze und prägnante - ganz im Sinne Wittgensteins und des Herausgeberkonzepts - einfach formulierte Artikel lüften die Welt der Medien und Kommunikation wie kein Werk zuvor.
So erklärt uns Ernst von Glasersfeld, die Leitfigur unter den Begründern des Radikalen Konstruktivismus, die Objektivität, die Zeit, die Information, das Wissen und nebenbei auch sein revolutionäres Konzept von der „konzeptuellen Semantik“ sowie jene Erkenntnistheorie, die hinter dem bisher oft missverstandenen Begriff „Kybernetik“ steht.
Mit Grundlagen, die spannender erscheinen als der gleichnamige philosophische Diskurs, dringt der interessierte Student zu seiner Fachmethodologie durch. Er liest über Methode, Empirie, Hermeneutik, wird dabei konfrontiert mit dem Wesen des Interviews und des wissenschaftlichen Definierens, des publizistischen Kommentars und der Psychologie der kommunikativen Kompetenz, des Intellekts und der Aufmerksamkeit, er versucht die Liebe oder das Alter zu verstehen und das Spiel einzuordnen, er befasst sich mit den mächtigen Werkzeugen der Informationsgesellschaft wie Inhaltsanalyse und bohrt sich durch die Facetten der Medienpraxis. Die technisch-physikalisch denkenden Leser lassen sich die Lektüre über die Akustik, Informationstechnologie, Informatik und die Kommunikationstechnik mit Sicherheit nicht entgehen, zumal diese in einem solchen Kontext durchaus spannend erscheint.
Die Pädagogen unter den angehenden Journalisten vertiefen die Medienperspektiven von Didaktik, Lernen und Erklären, und die Künstler und Kreative unter den angehenden Medien- und Kommunikationsforschern, die unter anderem auch das Visuelle schätzen, erfreuen sich an den Texten zu Kunst, Design, Erlebnis, Ausstellung oder auch zu Photojournalismus und Farbe, unterhaltsam-fundierten Berichten, die mit vielen Aha-Effekten „versehen“ sind. Auch verschwörungsbegeisterte kommen auf ihre Kosten, indem sie zwischen den Zeilen solcher Artikel wie “Manipulation” lesen.
Und die „harten“ Fachartikel? Auch diese gibt es in einem solchen Fachlexikon ohne Zweifel, aber auch fast ohne Fachchinesisch. Zumindest werden die meisten Fachausdrücke wie etwa. Agenda-Setting-Approach oder Audiovisuelle Kommunikation, die sich kaum vermeiden lassen, direkt im Kontext über die natürliche Sprache der Studienanfängerinnen interpretiert und wo möglich mit englischsprachigen Äquivalenten für das bessere „Googeln“ versehen.
Und auch das noch nicht alles! Neben weiteren Dutzenden von Texten (s. Link zum Inhaltsverzeichnis unten) werden im Anhang mit Liebe pointierte Kurzbiografien bedeutender Kommunikationsforscher, wichtigste Grundlagenwerke, Recherche-Empfehlungen im Internet – unter der aktiven Mitarbeit engagierter Studierender – als weiteres „Leckerbissen“ für die historisch und biografisch interessierten Leserinnen angeboten. Hier lassen sich die zum Teil hoch spannenden bis radikalen Einsichten authentischer Denker über Kommunikation, Medialität, Wirklichkeit und die Zukunft menschlicher Zivilisation miteinander vergleichen.
Die international anerkannten Experten und aktiv lehrenden Professorinnen wie Ernst von Glasersfeld (USA), Uwe Hasebrink, Knut Hickethier (Hamburg), Volker Ladenthin (Bonn), Klaus Merten (Münster), Markus Vinzent (Großbritannien) - um einige zu nennen - verleihen dem Kompendium fundamentale Bedeutung in einem sich rasch wandelnden Wissensgebiet.
Ernst von Glasersfeld fasst zusammen: “Es ist ein handliches Buch und ist weitaus intelligenter zusammengestellt als alle Lexika, die ich gesehen habe.”

Bibliografische Angaben:
Tsvasman, Leon R. (Hrsg.), Das große Lexikon Medien und Kommunikation. Kompendium interdisziplinärer Konzepte. 2007. 425 S. 1 Abb., zahlr. Tab. u. Schaubilder - 170 x 240 mm. Festeinband, ISBN 3-89913-515-6. 38,00 EUR.
Verweise:



Sunday, 7 September, 2008 um 12:36
Hallo! Habe das Lexikon schon zwei Monaten. Es lag ein Booklet im Geschäft… Ich habe das Lexikon jetzt immer auf meinem Tisch. Ich lese neue Artikel davon und denke viel nach. Ich möchte in Medien promovieren. Ich bin keine Muttersprachlerin, ich finde die Artikel aber sehr-sehr perspicuous. Die welt der Kommunikation fasziniert mich mehr. Ich empfehle das Werk gerne allen.
Monday, 8 September, 2008 um 11:00
Ich habe bis heute folgende Artikel gelesen und bin beeindruckt. Ich wusste nicht, das man so viel so schnell lernen kann, und dass es so Spass macht. Das Lernen (auch Artikel von V. Ladenthin) macht Spass! Das Verstehen auch
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