Meine Frau kann – rückwärts! – einparken
Neun Geständnisse aus einer geglückten Ehe
von Kurt Eimers
„Also, mir ist schon lieber, wenn du es mir machst, bevor ich da selbst anfange und endlos lange rumsuche.“
(Meine Frau zu mir im Februar 2003)
Kapitel 1: Haufenbildung.
„Von meiner Frau hat unsere Tochter die Haufenbildungsgene. Von mir dagegen hat sie einen Haufen Bildungsgene.“ Mit diesem kleinen, bescheidenen Wortspiel pflege ich in der Regel meine Auslassungen über den Ordnungssinn meiner Frau einzuleiten. Um dann fortzufahren:
Meine Frau ist ein ordentlicher Mensch. Kann man so sagen. Bis auf die Haufenbildung. Wobei meine Frau der Meinung ist, gerade diese Haufenbildung sei der perfekte Ausdruck ihrer Ordnungsliebe. Denn anstatt die Dinge – ihre Dinge! – überall im Hause zu verstreuen, würden sie in einigen wenigen Haufen konzentriert. (Wobei: Verstreuen kann meine Frau auch; siehe hierzu Kapitel 8, „Das Dawillichnochdraustrinkenglas“.) Jedenfalls ist es immer die gleiche Geschichte: Meine Frau hält sich, warum auch immer, und oft auch aus gutem Grund, für eine gewisse Zeit regelmäßig am selben Ort auf. In Nullkommanix entsteht an diesem Ort ein Haufen, bestehend aus allen möglichen Dingen, die meine Frau als unabdingbar bezeichnet für ihren angenehmen Aufenthalt an besagtem Ort. Meine Frau unterscheidet dabei zwischen zwei Haufenarten: dem Themenhaufen und dem ortsgebundenen Haufen. Zu den Themenhaufen zählen: Umziehhaufen, Malhaufen, Bastelhaufen, Handwerkshaufen u.ä. Typische ortsgebundene Haufen sind: Badhaufen, Betthaufen, Wohnzimmerhaufen, Gartenhaufen. Themenhaufen und ortsgebundene Haufen lassen sich beliebig miteinander kombinieren. Da ist meine Frau sehr kreativ.
Prinzipiell gibt es drei Haufenzustände: entstehender Haufen (der einzige, bei dem ich noch eine gewisse Chance habe), zunehmender Haufen, Wanderhaufen. Einen weiteren gibt es quasi virtuell: den abnehmenden Haufen. Der existiert vor allem in der Vorstellung meiner Frau. Ich bin allerdings der Meinung, dass es sich bei einem von meiner Frau als „abnehmend“ bezeichneten Haufen im Grunde um eine Variante des Wanderhaufens handelt, die ich als Übergangshaufen bezeichne. Der echte Wanderhaufen wandert als Ganzes; in der Variante Übergangshaufen nimmt ein Haufen an einer Stelle ab, während gleichzeitig woanders aus dem abgenommenen Material ein neuer entsteht.
Zum Schluss noch ein ganz besonders seltenes Exemplar: der verschwundene Haufen. Den bekommt man so gut wie nie zu Gesicht. Meine Frau behauptet dennoch unbeirrt, dass es ihn gibt. Dass sie auch dafür einen Haufen Argumente hat, versteht sich von selbst.
Kapitel 2: Das Beifahrerpflaster.
Meine Frau kann gut Auto fahren. Sehr gut sogar. Es ist eine wahre Freude, meine Frau Auto fahren zu sehen. Auch von außen. Es gibt ja Frauen, die sehen einfach attraktiv aus in einem Automobil. Meine Frau ist so ein Typ. Ich könnte meiner Frau stundenlang von außen beim Autofahren zusehen.
Meist sehe ich ihr aber von innen zu. Und da würde ich mir oft wünschen, dass meine Frau früher rauf schaltet. Also in den nächst höheren Gang. Das spart Sprit, weil dann führe sie untertourig. Sag ich auch immer. Aber was macht sie? 60 Sachen im 3. Gang! Ich sag dann: „Hallo? Startbahn West?“
Außerdem: Wenn meine Frau früher schaltete, würde sie viel gelassener dahingleiten. Da hätte sie mehr Zeit zum Schauen und natürlich führe sie dann auch viel vorausschauender. Wie der Walther Röhrl. Der ist früher Rallyes gefahren. Heute schreibt er – ich nehme an, aus Reue – meine Lieblingskolumne in der ADAC Mitgliederzeitung. Und fast jedes Mal schreibt er da, dass wir – also auch meine Frau und ich – vorausschauend Auto fahren sollen.
Ich sage meiner Frau deshalb immer: Sei doch mal ein bisschen so wie der Walther Röhrl: Vorausschauend. Aber nein, da fährt meine Frau noch hunderte von Metern auf einer Spur, obwohl schon vor 200 Metern ein Schild gesagt hat: „Achtung! Diese Spur ist gleich zu Ende. Bitte auf die andere Spur wechseln!“ Oder meine Frau wechselt viel, aber dann wirklich viel zu früh die Fahrspur. Also fast schon, bevor sie das Schild überhaupt sieht. Ich sag dann immer: „Hey, du hast noch zighundert Meter Zeit. Lass die Hektik aus dem Verkehr, das sagt auch der Walther Röhrl.“
Außerdem fährt meine Frau viel, also wirklich viel zu langsam und unentschlossen von der Beschleunigungsspur auf die Autobahn. Ich sag dann immer „Nun gib doch mal Gummi, gleich landen wir auf dem Standstreifen.“ Noch schlimmer ist das Beschleunigen beim Überholen. Jeder Überholvorgang wird bei meiner Frau viel, aber wirklich viel zu zögerlich angegangen. Da ist kein Punch, kein Kickdown, kein Wille zum Sieg! Ich sag dann immer: „Denk doch mal bitte an den Walther Röhrl: Zügig überholen. Züüüüüüüü-gig!“
Irgendwann ist meine Frau mit mir zu einer Apotheke gefahren. „Kommst du mit rein?“, hat sie gefragt. „Klar“, hab ich gesagt. In der Apotheke hat meine Frau dann die Apothekerin gefragt: „Haben Sie Beifahrerpflaster?“. Frauen sind echt undankbar.
Kapitel 3: In der Heimwerkerabteilung.
Manchmal nimmt mich meine Frau mit, wenn sie in den Baumarkt geht, in die Heimwerkerabteilung. Heimwerkerabteilungen machen mir Angst. Irgendwie. Besonders die Bohrmaschinen. Was da so losgeht auf den leichtesten Fingerdruck, das Geräusch, die Vibration, der stahlige Bohrer, ach nein, irgendwie nichts für mich. Das heißt, wenn ich ein paar Mal drauf gedrückt habe, macht es schon Spaß. So eine Bohrmaschine hat für mich was von einem Colt. Sie wissen schon, der Sechsschüsser aus den Western, schwer im Halfter liegend dräut er rechts oder links unter der locker herab hängenden Schusshand. Es soll tausende von Handys geben, die ähnlich getragen werden. Naja, bevor ich den ultimativen Clint Eastwood gebe, nimmt mir meine Frau die Bohrmaschine wieder aus der Hand.
Dann kommt der Verkäufer. Ein typischer Vertreter aus der Zunft der Baumarktheimwerkerabteilungsfachverkäufer. Langweilig gekleidet, mit einer Ausdünstung, die knapp am Ungepflegtsein vorbei schrammt. Eine Mischung aus kaltem Zigarettenqualm, schlecht verdunstetem Schweiß und einem Rasierwasser, das den Begriff Eau de Toilette gründlich missverstanden hat.
Zielstrebig kommt dieser Mensch auf mich zu – mich! – und fängt an zu erzählen. Watt, Volt, Umdrehung, Schlagbohrer, automatische Umschaltelektronik… Halt! Ich hebe die Hand. Dann das Geständnis: „Erklären Sie das bitte meiner Frau. Die ist bei uns der Handwerker. Ich habe keine Ahnung.“ Staunen, Lächeln (etwas herablassend, oder nur irritiert?). Dann das ganze nochmal in Frau. Das geht zwei Minuten gut. Zu Beginn der dritten Erklärungsminute redet der gute Mann wieder auf mich ein. Ich sage: siehe oben. Reaktion des Baumarkters: siehe oben.
Am Ende hatte der Verkäufer alles mindestens zweimal erklärt. Wir hatten alles mindestens zweimal gehört. Und ich hatte immer noch nichts kapiert. Meine Frau hat sich dann einmal gezielt entschieden und gekauft. Dann fuhren wir nach Hause. Mit der Bohrmaschine. Und die Angst fuhr mit. Irgendwie.
Kapitel 4: Ma femme ne parle pas le français.
In die Ferien fahren wir nach Frankreich. Wenn möglich, jedes Jahr. Bis auf die Jahre, wo wir gar nicht in die Ferien fahren. Dann fahren wir nicht nach Frankreich. Ich sag das nur schon mal vorab, weil meine Frau immer behauptet, wir würden jedes Jahr in die Ferien nach Frankreich fahren.
Wenn wir dann aber mal wieder endlich in Frankreich sind, gehen wir natürlich gleich lecker einkaufen. Besonders gern gehen wir in die Metzgerei. Denn so eine französiche Metzgerei, vor allem auf dem Land, ist ein wahres Erlebnis. Die haben immer so leckeres Zeugs.
In einer französischen Landmetzgerei findet man entweder einen französischen Landmetzger oder eine französische Landmetzgersfrau vor. Oft steht die Landmetzgersfrau vorn im Laden hinter der Theke, während ihr Landmetzgersmann irgendwo hinten herummetzgert. Egal, wer vorn im Laden steht, er oder sie erklärt einem immer so lieb, was was ist und was man damit in Topf, Pfanne und Ofen alles zaubern kann. Das tun sie, weil ich vorher gefragt habe, was sie denn so empfehlen können. Das mach ich natürlich auf Französisch, und da bin ich auch ein bisschen stolz drauf.
Der Landmetzger bzw. seine Frau merken natürlich sofort, dass sie nicht so einen ganz doofen Touri vor sich haben, sondern einen, der Französisch spricht. Da freuen sie sich, wie sich alle Franzosen freuen, wenn einer Französisch spricht ohne gleich Franzose zu sein. Liegt höchstwahrscheinlich daran, dass sie sonst immer nur mit Französisch sprechenden Leuten zu tun haben, die Franzosen sind. Jedenfalls: Kaum hab ich meine Frage gestellt, legen die schon los. Und erzählen und erklären. Natürlich auf Französisch, weil sich das dann besonders lecker anhört. Und die erklären es natürlich alles meiner Frau, weil französische Landmetzger und Landmetzgersfrauen davon ausgehen, dass die Frau kocht. Leider gehen die französischen Landmetzger und Landmetzgersfrauen auch davon aus, dass Frauen, die kochen und einen Mann haben, der auf Französisch fragen kann, was sie denn so empfehlen können, auch Französisch sprechen. Nun spricht meine Frau leider nur bedingt Französisch. Aber: Sie arbeitet dran. Allerdings: Sie ist noch nicht so weit, um einen französischen Landmetzger oder dessen Frau zu verstehen.
Also kommt es, wie es immer kommt. Irgendwann, manchmal erst nach Minuten, sage ich: „Ma femme ne parle pas le Français.“ Dann ertönt auf der anderen Seite der Theke ein enttäuschtes „Ah bon“, und dann kauf ich ein paar Lammkoteletts oder Steaks oder einen Braten, und dann ist alles wieder gut.
Später, draußen, sagt meine Frau: „Nächstes Mal fragst du bitte auf Deutsch.
Kapitel 5: Grünes Programm.
„Grünes Programm“ ist ein medialer Fachbegriff, den meine Frau erfunden hat. „Grünes Programm!“ ruft meine Frau jedes Mal, wenn ich im Fernsehen Fußball gucke. Sie ruft es also mindestens einmal pro Woche, immer wieder samstags, wenn die Sportschau läuft. Sie ruft es auch alle 14 Tage, dienstags, mittwochs oder donnerstags, wobei man die drei „oder“ auch durch drei „und“ ersetzen kann. Das hängt davon ab, wer in welchem europäischen Wettbewerb gerade spielt. Weitere, unregelmäßigere Anlässe für ein „Grünes Programm!“-Rufen sind Länderspiele und die Spiele im DFB-Pokal.
Das ist soweit so gut. Ich habe mich längst daran gewöhnt, dass meine Frau das immer ruft. Einerseits. Andererseits: Dass sie das aber immer noch ruft, nach all den Jahren, zeigt, dass sie sich immer noch nicht daran gewöhnt hat. Und das finde ich, ehrlich gesagt, ein bisschen schade. Vor allem, weil meine Frau nicht konsequent ist in ihren medialen Begrifflichkeiten. Golf zum Beispiel ist kein „Grünes Programm“, sondern Golf. Schwimmen ist Schwimmen, und beileibe kein „Nasses Programm“. Während der Übertragung von der Tour de France wiederum fragt meine Frau immer nur „Na, guckst du wieder Frankreich?“. Ich nehme an, dass hat etwas mit meinem Urlaubsverhalten zu tun. Ehrlich gesagt, bin ich froh, dass sie mich nicht fragt, ob ich nach französischen Landmetzgereien Ausschau halte.
Kapitel 6: Die Nudeln sind kalt.
Falls ich es noch nicht erwähnt habe, sage ich es jetzt: Bei uns zu Hause bin ich der Koch. Und zwar nicht von der Art Ehemannfreizeitkoch, der nach Schaffung eines mehrgängigen, stark präpositionslastigen Menüs in der Küche ein Schlachtfeld hinterlässt.
Nein: Ich koche täglich, nach der Arbeit, das familiäre Abendessen. Und die Küche bleibt sauber. Und meist sind Frau und Tochter glücklich. Und ich auch. Jedoch: Ein Problem trübt die Idylle. Das Problem ist ein Satz. Den Satz sagt – wer sonst? – meine Frau. Der Satz lautet: „Die Nudeln sind kalt.“ Dann könnte ich jedes Mal ausrasten.
Denn die Nudeln sind nur deshalb nur noch warm – und ich sage bewusst warm und nicht kalt, denn der Begriff „kalt“ ist eine böse, üble Übertreibung meiner Frau –, also nur deshalb nur noch warm, weil meine Frau wünscht, dass Nudeln und Soße g-e-t-r-e-n-n-t serviert werden. Das heißt konkret: Zwischen dem letzten Kontakt mit dem heißen Topf und dem ersten Kontakt mit dem Mund meiner Frau verbringen die Nudeln eine gewisse Zeit in einer temperatursenkenden Umgebung. Sie liegen quasi draußen – auf einem kalten Teller. Und Nudeln halten die Hitze nun mal nicht besonders gut. Vor allem nicht, wenn sie auf einem kalten Teller auf die heiße Soße warten müssen!
Und da ich nun mal erst die Nudeln und dann erst die Soße servieren darf, und meine Frau nicht wartet, bis dass die heiße Soße die warmen (warmen!) Nudeln wieder auf eine höhere Temperatur gebracht hat, sondern sich direkt über die kalttellerbedingt nur noch warmen Nudeln hermacht, kommt es Nudelgericht für Nudelgericht zu dem klagenden, um nicht zu sagen: anklagenden Ausspruch, den ich wegen seiner sachlichen Ungenauigkeit nicht noch einmal wiederholen möchte.
Kapitel 7: Massage-Praxis.
Meine Frau hat manchmal Verspannungen. Dann sagt sie gern: „Hmm, jetzt eine Maschase.“ Meine Frau sagt „Maschase“, obwohl sie natürlich „Massage“ meint und „Massage“ auch fehlerfrei sprechen kann. Meine Frau verdreht nur gern Worte. Sie sagt auch „Frisöse“ und nicht ‚“Friteuse“, aber ich verstehe sie trotzdem. Allerdings, als unsere Tochter letztens meinte, dass heiße jetzt nach neuer deutscher Rechtschreibung „Frisörin“, da war ich doch etwas verwirrt.
Jedenfalls: Immer, wenn meine Frau „Hmm, jetzt eine Maschase.“ sagt, schaut sie mich traurig an, fügt noch ein „Aber du willst ja nicht.“ hinzu, um schließlich im finalen Quittungsschuss der Frau-Mann-Beziehung zu kulminieren: „Du hast mich eben nicht mehr lieb genug.“ Diesem Vorwurf spontan zu widersprechen, ist zwar naheliegend, wäre aber fatal.
Dies würde nämlich die Warummassierstdumichdanntrotzdemnichtdiskussion auslösen. Einmal habe ich es mit dem Vorschlag versucht, eine junge Vietnamesin als Hausmasseurin einzustellen. Das war auch keine gute Idee. Wobei ich nicht genau verstanden habe, was meine Frau jetzt ausgerechnet gegen Vietnamesinnen hat. Aber ich hatte auch keine Lust, bei uns eine Rassismusdebatte loszutreten. Stattdessen kam mir eine geniale Idee: Ich massiere meine Frau, während ich im Fernsehen Fußball gucke. Habe ich ihr gleich vorgeschlagen.
Seitdem erzählt mir meine Frau keine Verspannungen mehr. Schade eigentlich.
Kapital 8: Das Dawillichnochdraustrinkenglas.
Frauen, das wird Ihnen jeder Mann bestätigen, hinterlassen ihre Spuren. Im Leben des Mannes, aber auch anderswo. Zum Beispiel bei uns zu Hause. Da hinterlässt meine Frau eine ganz eigene, um nicht zu sagen, eigenartige Spur: das „Dawillichnochdraustrinkenglas“. Für alle, die sich schwertun mit der deutschen Zusammenschreibrechtschreibung noch einmal: das „Da-will-ich-noch-draus-trinken-Glas“. Besser? Fein. Also weiter im Stück:
Meine Frau ist, wie die meisten Gesundheitsratgeber, der festen Überzeugung, dass der Mensch täglich Flüssigkeit in zweistelliger Litermenge in sich hineingießen müsse. Weil er sonst vertrocknet. Und sie natürlich auch. Also trinkt meine Frau regelmäßig Wasser. Aus einem Glas. Und da meine Frau viel im Haus unterwegs ist, mal hier, mal dort für kürzere oder längere Zeit zu tun hat, platziert sie an ihren wichtigsten Aufenthaltsorten ein Glas, aus dem sie trinkt. In der Regel verteilt sie so täglich an die drei Gläser im Haus. Sobald ich eines dieser Gläser sehe -– oft ist es leer, oft noch halb voll –, will ich es wegräumen. (Ein Ordnungsdrang, den meine Frau gern anprangert.) Denn was soll das: ein Glas, einfach so, stundenlang rumstehend, irgendwo, irgendwie, mit nichts oder mit irgendwas drin, das auch schon nicht mehr richtig lecker aussieht, schon schmutzig, angelaufen? Ist das etwa schön? Also greife ich mir das Glas, nehme schon Kurs auf Küche und Spülmaschine, da ertönt der Ruf meiner Frau: „Halt, da will ich noch draus trinken!“
Natürlich versuche ich, dagegen anzuargumentieren. Spreche von Hygiene. Oder davon, dass ein solches Anlegen kleiner Feuchtbiotope im Innern eines Einfamilienhauses nicht artgerecht ist. Und mit Naturschutz nichts, aber auch gar nichts zu tun hat. Und was macht meine Frau? Geht in die Küche, schnappt sich eine Flasche Wasser, holt ein frisches Glas aus dem Schrank und sagt: „Ich geh jetzt nach oben.“
Letztes Kapitel: Meine Frau kann – rückwärts – einparken.
Meine Frau kann einparken. Und zwar nicht nur vorwärts, wie es die meisten Frauen können. Wenn ich vorwärts einparken sage, meine ich: vorwärts in eine Parkbucht auf dem Parkplatz oder im Parkhaus oder vorwärts in die Garage. Ich meine nicht: vorwärts in eine seitliche Parklücke auf der Straße. Vorwärts in eine seitliche Lücke einparken ist für mich gar kein Einparken. Das ist ein Bordstein schrappendes, hilfloses, menschen- und oft auch vorbei kommende Fahrradfahrer verachtendes Herumgewürge. Das würde meine Frau nie tun, denn sie weiß, da muss man rückwärts rein. Wobei es sehr unterhaltsam sein kann, einer Frau dabei zuzusehen, wie sie vorwärts in eine seitliche Parklücke auf der Straße einparkt. Das ist aber dann nicht meine Frau. Das ist dann eher noch ein Mann. Oder ein Frührentner.
Um es noch einmal klar zu sagen: Vorwärts in eine seitliche Parklücke einparken ist so ziemlich das Allerletzte, fast schon ein Verstoß gegen die Genfer Konvention.
Vorwärts in eine Parkplatz- oder Parkhauslücke einparken ist meist der Hinweis auf eine Person am Steuer, die sich zwar vorstellen kann, wie schwierig es ist, rückwärts in die besagte Lücke einzuparken, deren Phantasie aber komplett abschmiert, wenn es daraum geht, die Probleme zu antizipieren, die man bekommt, wenn man rückwärts aus einer Parklücke rausfahren will.
Meine Frau jedenfalls fährt in alles rückwärts rein. Garage, Parkbucht, Parklücke. Perfekt. Und zack – wieder raus. Und falls sie doch mal vorwärts eingeparkt hat – so wie meine Frau rückwärts fährt, kommt sie auch da wieder raus. Ruckzuck. Und das bei dem Verkehr.
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